Aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen für Gottesdienste und der Menschen, die sich noch nicht wieder in die Kirchen wagen, wurde im Dekanat Kempten beschlossen, bis Weihnachten zweimal im Monat einen kurzen Gottesdienst aus verschiedenen Kirchen unserer Region zu veröffentlichen.

Sie finden die Beiträge unter folgenden links:

https://www.dekanat-kempten.de/engagiert/auf-ein-wort-mit-orgelmusik

https://www.facebook.com/allgaeuevangelisch

 

Auf folgende Termine dürfen Sie sich noch freuen:

5.7., aus St.-Stephan Lindau
19.7., aus der St.-Mang-Kirche Kempten
9.8., aus der Täufer-Johannis-Kirche Sonthofen
6.9., aus der Heilig-Geist-Kirche Oberstaufen
20.9., aus der Johanneskirche Lindenberg
4.10. Erntedank, aus der Auferstehungskirche Waltenhofen
18.10., aus St.-Stephan Lindau
1.11., Allerheiligen, aus der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren

Die nächsten beiden Termine werden eventuell getauscht:
29.11., 1. Advent, aus der Christuskirche Füssen
13.12., 3. Advent, aus der Johanneskirche Lindenberg

24.12. Heilig Abend/Weihnachten, aus der St.-Mang-Kirche Kempten

3. Sonntag nach Trinitatis

 

Liebe Gemeinde,

ein Referent begann sein Seminar damit, dass er einen Fünfzigeuroschein hochhielt und fragte: „Wer will diesen Fünfzigeuroschein haben?“

Einige schauten ein wenig zweifelnd – wollte er wirklich fünfzig Euro einfach so verschenken? Doch die meisten hoben sofort die Hand. Es gab ja nichts zu verlieren.

„Okay“, fuhr der Referent fort. „Viele wollen den Geldschein haben. Aber wenn ich nun folgendes mit dem Geldschein mache“, sagte er und knüllte den Schein zu einem kleines Klumpen zusammen, „wer will ihn dann noch haben?“

Immer noch hoben viele im Saal die Hand.

„Eine letzte Frage“, sagte der Referent. „Wollt ihr den Geldschein immer noch haben, auch wenn ich das mache?“ Und er warf den Geldschein auf den Boden, trat auf ihn und hob ihn wieder auf. Nun war der Geldschein zerknüllt, schmutzig und ein bißchen kaputt.

Doch die Hände im Saal hoben sich immer noch.

„Ihr habt die erste Lektion für heute gelernt“, sagte der Referent. „Ganz egal, was ich mit dem Schein getan habe – ihr wolltet ihn immer noch haben. Weshalb? Doch wohl deshalb, weil er nicht seinen Wert verloren hat, egal, was ich auch mit ihm gemacht habe. Ihr seid wie Geldscheine. Das Leben wird euch ein ums andere Mal zusetzen, ihr werdet euch kaputt und angestoßen fühlen. Aber ihr behaltet weiterhin euren Wert. (…) Euer menschlicher Wert beruht nicht auf dem, was ihr tut oder was ihr könnt, sondern auf dem, was ihr seid.“

(aus: Kristina Reftel, Ich habe nach dir gewonnen. Weisheitsgeschichten für einen anderen Blick auf das Leben, München 2015) 

 

Liebe Gemeinde,

am 3. Sonntag nach Trinitatis geht es um alles, was verloren geht oder verloren gehen kann. Berühmte biblische Geschichten sind Grundlage für die Gottesdienste: Der verlorene Sohn, das verlorene Schaf, der Zöllner Zachäus, der sich durch seine Betrügereien selbst ins Abseits manövriert hatte. Die biblischen Figuren führen uns vor Augen, wie es ist, verloren zu sein, vom Leben gebeutelt und von anderen isoliert. Ein Gefühl, das sich manchmal in unserem eigenen Leben auch einstellt.

Die Botschaft hinter den Geschichten und Texten macht uns Mut: Gott gibt keinen auf. Der gefallene Sohn kehrt nach Hause zurück und wird mit offenen Armen vom Vater empfangen, der Hirte sucht solange nach seinem Schaf, bis er es wieder gefunden hat, der Zöllner Zachäus bekommt Gesellschaft von Jesus.

Für Gott sind wir unendlich wertvoll, auch wenn wir in unseren eigenen Augen voller Makel sind und vieles falsch gemacht haben. Auch wenn uns die Welt manchmal einflüstern will, wir wären nicht wichtig und ohne Belang – bei Gott gilt das nicht, für ihn sind und bleiben wir seine geliebten Kinder.

 

Lobe den Herrn, meine Seele (KAA 010)

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen.

Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

  1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen.
  2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen.
  3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen.

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen.

Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

 

2. Sonntag nach Trinitatis

 

Liebe Gemeinde,

vielleicht kennen Sie das: nach einer Wanderung den Gipfel erreichen, einen schönen Platz suchen, den Ausblick genießen auf das weite Land. Und dann aus dem Rucksack eine noch halbwegs kühle Gipfelhalbe ziehen. Gerne auch alkoholfrei. Zisch. Mmm. Aah. Das ist was Tolles.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Dieses Wort Jesu ist für mich die Gipfelhalbe des Glaubens!

Jesus lädt mich ein, eine Pause zu machen: Er richtet sich an alle, die müde vom Wandern sind, die es leid sind, Erwartungen anderer erfüllen zu müssen, die sie nicht erfüllen können. „Ich will euch ausruhen lassen!“ sagt er.

Wer diese Einladung annimmt, kann einmal in Ruhe auf alles schauen. Die Sorgen liegen dann ganz weit weg im Tal. Und am Horizont ist wieder Platz für Träume.

Jetzt könnte man einwenden: die Pause auf dem Gipfel hinkt als Vergleich – weil ich ohne große Anstrengung doch gar nicht auf einen so einen schönen Gipfel komme.

Doch auf den Lebensweg bezogen glaube ich: Auch kleine Anstrengungen führen auf Anhöhen. Nur: wenn ich überhaupt keine Pause mache und immer getrieben bin, sehe ich gar nicht, was für Ausblicke schon möglich sind.

Nicht der Weg ist das Ziel, sondern die Pause.

Wie schön ist der Ausblick in die Weite. Dort oben, auf dem Gipfel des Glaubens. Hier herrsche nicht ich, sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er gönnt meiner Seele Ruhe. Das kann ich manchmal gar nicht glauben. Müsste ich nicht noch mehr Anstrengungen leisten, um diese Pause zu verdienen? Müsste ich nicht all meine Zweifel unterdrücken oder zumindest geklärt haben, um die Einladung Jesu überhaupt annehmen zu können?

Nein, sagt er: Sie ist den Unmündigen offenbart!

Ja, wo gibt’s denn so was, möchte mancher Kluge fragen?

Sowas gibt’s bei Jesus. Die Unmündigen sind die, die sich von Gott noch überraschen und etwas zeigen lassen wollen.

Amen

 

Gebet

Gott,

dir lege ich hin, was mich bedrängt und mein Herz schwer macht.

Lass mich nicht verzweifeln, sondern ruhig werden in dir.

Du bist meine Zuflucht, mein Ruheort, meine innere Weite.

Ich danke dir dafür.

Amen.

 

 

Steh auf  und geh!

Mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium als Motto begingen  Frauen aller Konfessionen im März  den Weltgebetstag 2020.

Leider musste der eigentliche Termin am 06.03.2020 in Füssen abgesagt werden, aber nun möchten wir herzlich zum ökumenischen Gottesdienst, den wir am

Mittwoch, 24.06.2020, um 19.00 Uhr  in der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ 

feiern, einladen.

Simbabwe ist heuer das Gastland des Weltgebetstags. Ein Land, das seit langem unter verschiedenen autoritären, repressiven Herrschaftssystemen sowie unter Misswirtschaft, Korruption und verfehlten Reformen  zu leiden hat. Inzwischen ist es zu einem der am höchsten verschuldeten Staaten weltweit geworden.

Frauen aus diesem südafrikanischen Land haben die Gottesdienstordnung vorbereitet und möchten uns ihre Heimat, in der ums tägliche Überleben gekämpft werden muss, da kaum jemand eine feste Arbeit hat, die Menschen aber trotzdem nicht ihre Herzlichkeit verloren haben, vorstellen, und uns auf ihren Weg mitnehmen, Gerechtigkeit und Frieden zu finden.

Da uns die Gesundheit der Gottesdienstbesuchenden am Herzen liegt und wir deshalb selbstverständlich die Hygiene- und Abstandsregeln  einhalten werden, wird darum gebeten, einen eigenen Mund- und Nasenschutz mitzubringen. Außerdem muss zum Schutz aller Gottesdienstteilnehmenden der nach dem Gottesdienst sonst übliche Ausklang bei einem Mitbringbüffet leider entfallen.

Pfingsten

Liebe Gemeinde,

„Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages!“ (aus der Pfingstpredigt des Petrus, Apg 2,15)

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Sie wurde ins Leben gerufen durch den Geist Gottes, den Heiligen Geist.

Viele Geister üben auf den Menschen Einfluss aus. Der Zeitgeist. Der Geist der Vernunft (hin und wieder). Der Klagegeist. Und manchmal auch der Kirschgeist.

Woran kann ich erkennen, dass der Heilige Geist, der Geist Gottes am Wirken ist? Im ersten Johannesbrief heißt es: „Liebe Freunde, (…) an Folgendem könnt ihr erkennen, ob jemand sich zu Recht auf Gottes Geist beruft: Wer sich zu Jesus Christus als zu dem bekennt, der ein Mensch von Fleisch und Blut geworden ist, hat den Geist, der von Gott kommt.“ (1 Joh 4,1-2)

Jesus Christus ist also der Maßstab, der mir zu erkennen hilft, ob etwas in Gottes Geist geschieht oder nicht.

Jesus, der Bauhandwerker und Lehrer aus Nazareth.

Jesus, der Sünden vergibt und im Streit vermittelt.

Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene.

Jesus, der Grenzen überschreitet und Welten verbindet.

An ihm scheiden sich die Geister.

Eine Kirche, die ihn nicht ernst nimmt, ist darum geistlos oder von anderen Geistern getrieben.

Wo allerdings Christus das A und O ist, kann auch heute – wie damals – ein fröhliches Pfingstfest gefeiert werden.

Amen.

 

Gebet

Gott, wir bitten dich von Herzen um deinen Geist.

Wir bitten um einen Geist, der nicht so kleinlich, ängstlich, verzagt ist wie unser eigener.

Wir bitten um einen Geist, der frei ist. Um Weite im Herzen und Hoffnung in den Augen.

Fülle unseren Sinn mit tiefen, tragenden Gedanken und lass unseren Willen von ihnen geleitet sein.

Nimm die Selbstsucht heraus und schenke uns Liebe.

Nimm die Angst und schenke uns einen frohen Mut.

Nimm unsere Zweifel. Festige unser Vertrauen in dich als den Grund unseres Seins.

Amen.

 

Pfr. Andreas Huber, 31. Mai 2020