Am Donnerstag, 7. Mai, findet um 18 Uhr eine ökumenische Beisetzung stillgeborener Kinder am Grab der Gedenk- und Ruhestätte für stillgeborene Kinder auf dem Friedhof St. Sebastian in Füssen statt. Betroffene Eltern sind herzlich eingeladen, an der Trauerfeier teilzunehmen. Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Beschränkungen wird darauf hingewiesen, bei der Andacht am Grab einen Mund- und Nasenschutz zu tragen und den vorgegebenen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Weitere Informationen bzw. einen Flyer finden Sie hier:  evangelisch-fuessen.de/wp-content/uploads/2020/04/Zur-Ruhe-Bettung-Stillgeborener-in-F%C3%BCssen.pdf

Misericordias Domini

 

Liebe Gemeinde,

„Ich bin ein Schaf!“ – Wer sagt das schon gerne von sich? Doch keiner trifft stets die richtigen Entscheidungen. Im Miteinander ist niemand gegen Fehler immun. Deshalb sage ich es gleich: Ich bin ein Schaf und entschuldige mich vorab für eventuelle Irritationen durch folgende Gedanken:

In dieser Zeit gibt es einige, die mich offenbar wachrütteln wollen mit Worten wie: „Merkst du nicht, was hier passiert? Wach auf!“ Doch diese Wachrüttler halte ich auch für Schafe – vielleicht etwas ungeduldigere – aber Schafe der Herde, die gerade verunsichert ist und zu der ich auch gehöre.

Ganz unterschiedliche Schafe müssen in dieser Herde miteinander auskommen: schlaue, vorsichtige, wagemutige, fügsame, störrische, egoistische, fürsorgliche, traurige, fröhliche und auch solche, die gerne in Ruhe etwas abseits grasen. Aber allesamt sind wir Schafe, weil wir gemeinsam vor dem unbekannten Land namens Zukunft stehen und nach einem guten Weg Ausschau halten.

Für Jesus beginnt ein guter Weg damit, auf Gott zu vertrauen, aufeinander zu achten und besonders darauf zu schauen, dass die Schwächsten mitkommen.

Immer wieder hat Jesus Verantwortung für andere übernommen, für niemanden war er sich zu schade. Deshalb behauptet er – finde ich – zu Recht von sich, dass er ist der gute Hirte ist. Für seine Liebe zu jedem Schaf hat er sogar mit dem Leben bezahlt. Seine Worte helfen mir in diesen Tagen, mich zu orientieren – sei es im Blick auf das unbekannte Land, sei es im Blick auf die Herde, in die ich unfreiwillig hineingeboren wurde.

Im Blick auf beides sagt dieser gute Hirte mir – und vielleicht auch Ihnen, die Sie diese Zeilen lesen: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Mt 7,12).

Ich wünsche mir aktuell mehr Geduld, Vernunft und Rücksicht. Also muss ich mich auch selbst fragen lassen: „Lebst du eigentlich, was du von anderen erwartest?“ Die ehrliche Antwort behalte ich gerade lieber für mich. Doch sie zeigt mir, was zu tun ist und wo ein guter Weg beginnt.

 

Bild: Andreas Huber

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

AMEN.

 

Pfr. Andreas Huber, 26. April 2020

Sonntag Quasimodogeniti

 

Aus Psalm 116

Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.

Ich will den Kelch des Heils erheben und des Herrn Namen anrufen.

 

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20, 29)

Der Jünger Thomas kann nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist. Bis Jesus zurückkommt, plötzlich mitten unter den versammelten Jüngern steht. Er sagt „Friede sei mit dir.“ und fordert Thomas auf, seine Wunden zu anzuschauen und zu berühren.

Der Maler Caravaggio hat die Szene in einem berühmten Gemälde festgehalten (https://www.deutschlandfunk.de/der-unglaeubige-thomas-von-caravaggio-er-sah-und-beruehrte.2540.de.html?dram:article_id=351787). Dort hat Thomas seinen Zeigefinger tief in Jesu Seitenwunde versenkt. Der Auferstandene selbst hält sein Handgelenk fest. Thomas steht leicht nach vorne gebeugt da, mit weit aufgerissenen Augen, so als würden durch die Berührung alle seine Zweifel beseitigt werden.

Die Berührung wird im biblischen Zeugnis allerdings gar nicht geschildert. Jesus fordert Thomas lediglich dazu auf. Und Thomas bekennt darauf trotzdem: Mein Herr und mein Gott.

Thomas erkennt seinen Herrn und Gott nicht dadurch, dass er ihn berührt, sondern dass er es tun dürfte, Jesus begegnet seinem Misstrauen mit Zugewandtheit und Freundlichkeit. Er verurteilt ihn nicht wegen seiner Zweifel, sondern ist für ihn da.

Thomas erfährt das, was die urchristliche Gemeinde ins Leben gerufen hat: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebräer 13, 8)

Amen.

Pfarrerin Ilka Huber, 19. April 2020

 

Lied EG 622: Ich möchte Glauben haben

1. Ich möchte Glauben haben, der über Zweifel siegt,

der Antwort weiß auf Fragen und Halt im Leben gibt.

2. Ich möchte Hoffnung haben für mich und meine Welt,

die auch in dunklen Tagen die Zukunft offen hält.

3. Ich möchte Liebe haben, die mir die Freiheit gibt,

zum andern Ja zu sagen, die vorbehaltlos liebt.

4. Herr, du kannst alles geben: dass Glauben in mir reift,

dass Hoffnung wächst zum Leben und liebe mich ergreift.

„Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“ (1 Kor 15,26)

 

An Ostern, liebe Gemeinde,

feiern wir den Triumph Jesu über den Tod.

Dazu gehörte für einige Jahrhunderte auch das Osterlachen – der Brauch, in der österlichen Predigt die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Vor allem in Bayern war es vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Wollte ich diesen Brauch wieder aufleben lassen, würde ich vielleicht mit folgendem Witz beginnen: Nach der Kreuzigung Jesu kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab zur Verfügung zu stellen. Der sucht Ausflüchte: „Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.“ Darauf Nikodemus: „Stell dich nicht so an. Ist doch nur für übers Wochenende!“

Humor ist Notwehr – ich merke das besonders in Krisenzeiten. Er hilft, solche Zeiten zu verkürzen. Und christlicher Humor ist immer österlich. Martin Luther soll gesagt haben: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nicht im Himmel sein.“ Übrigens: Als Jesus auferstand, erschien er natürlich zuerst einigen Frauen, damit die Sache schneller bekannt würde.

Christus ermuntert mich, nicht am Grab stehen zu bleiben und zu verzweifeln. Sondern Gott anzuvertrauen, was ihm anzuvertrauen ist. Und mich dem Leben wieder zu öffnen: der Zeit, die mir gegeben ist, den Menschen, die ich kenne, den kleinen und großen Pausen, den positiven Überraschungen – auch sie gibt es schließlich.

Der Auferstandene ist das beste Beispiel. Als er bei den Jüngern auftauchte und diese nicht glauben konnten, dass ihr Meister wieder vor ihnen stand, fragte er einfach: „Habt ihr hier etwas zu essen?“ (Lk 24,41) Und er aß ihnen etwas vor.

Ich finde: lustiger geht’s eigentlich nicht. Amen.

12. April 2020, Pfarrer Andreas Huber

 

Gebet (Thomas Morus zugeschrieben, 15./16. Jh.)

 

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,

Und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes

mit dem nötigen Sinn dafür,

ihn möglichst gut zu erhalten.

 

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,

die im Auge behält, was gut und rein ist,

damit sie sich nicht einschüchtern lässt

vom Bösen, sondern Mittel findet,

die Dinge in Ordnung zu bringen.

 

Schenke mir eine Seele,

der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt

und kein Seufzen und Klagen,

und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache

um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich“ nennt.

 

Herr, schenke mir Sinn für Humor.

Gib mir die Gnade,

einen Scherz zu verstehen,

damit ich ein wenig Glück kenne im Leben

und anderen davon mitteile.

Amen

 

Nach dem Gottesdienst am Ostermorgen reichen Menschen einander die Hände und wünschen „Frohe Ostern“. Das wäre dieses Jahr leider kontraproduktiv.

Deshalb gibt es hier ein paar Grüße per Video.